Wie die Zusammenarbeit von Forschung und Unternehmen Innovationen beschleunigt – und welche Herausforderungen die Branche dabei bewältigen muss
Die Medizintechnik gilt als einer der innovationsstärksten Wirtschaftszweige Deutschlands. Gerade in der Metropolregion Nürnberg treffen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und klinische Partner auf engem Raum zusammen. Diese besondere Struktur sorgt dafür, dass neue Ideen schnell den Weg aus der Forschung in die Praxis finden. Wie Jona Schmitz vom Medical Valley EMN e. V. hervorhebt, entsteht durch die enge Zusammenarbeit ein kontinuierlicher Wissens- und Technologietransfer, der Innovationszyklen deutlich verkürzt. Forschungsergebnisse können dadurch schneller in neue Produkte, Anwendungen und Versorgungsansätze einfließen. Ein sichtbarer Beleg für diese Innovationskraft ist die hohe Patentdichte der Region: Rund ein Viertel aller deutschen Medizintechnikpatente stammt aus diesem Umfeld.
Voraussetzung für diesen Erfolg ist ein starkes regionales Netzwerk. In der Metropolregion engagieren sich Universitäten, Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer IIS sowie Unternehmen unterschiedlicher Größe gemeinsam für die Entwicklung neuer medizinischer und digitaler Lösungen. Von Start-ups über kleine und mittlere Unternehmen bis hin zu global agierenden Akteuren entstehen so Kooperationen, die den Wissensaustausch fördern und die Innovationsfähigkeit des Standorts stärken.
Gleichzeitig steht die Branche vor besonderen Herausforderungen. Die Entwicklung neuer Produkte erfolgt in einem hochregulierten Umfeld, in dem Patientensicherheit und Datenschutz eine zentrale Rolle spielen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens und dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz wächst zudem die Bedeutung von Cybersicherheit. Unternehmen sehen sich dabei nicht nur mit technischen Fragen konfrontiert, sondern auch mit Anforderungen an Datenschutz, regulatorische Vorgaben und die sichere Nutzung sensibler Gesundheitsdaten. Hinzu kommen fehlende Standardisierungen von Daten, mangelnde Interoperabilität zwischen Systemen sowie teilweise unklare oder zu allgemeine gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Einführung neuer digitaler Lösungen erschweren können.
Um die Innovationskraft der Medizintechnik weiter zu stärken, braucht es aus Sicht von Jona Schmitz vor allem gute Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen. Dazu zählen der Abbau bürokratischer Hürden, eine gezielte Förderung des Mittelstands sowie Investitionen in Digitalkompetenzen und den Aufbau von KI-Know-how. Ebenso wichtig sind standardisierte und nutzbare Datenstrukturen, ein besserer Austausch von Daten zwischen Systemen sowie eine praxisnahe Regulatorik, die sich an den Anforderungen der Unternehmen orientiert. Gerade für KMU sind solche Unterstützungsangebote entscheidend, um digitale Innovationen erfolgreich zu entwickeln und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Schriftliches Interview mit Jona Schmitz vom 02.11.2025
Weitere Informationen und Kontakt:
Medical Valley EMN e. V.
Jona Schmitz
Henkestraße 91
D-91052 Erlangen
team@medical-valley-emn.de
https://www.medical-valley-emn.de/
Julia Wittmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut Betriebliche Bildung gGmbH im Zukunftszentrum Süd
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