Brancheninterview: Zwischen Kreativität und Technologie

Wie KI die Kultur- und Kreativwirtschaft verändert

Die Kultur- und Kreativwirtschaft umfasst elf Teilmärkte – von Architektur und Design über Musik, Film und darstellende Künste bis hin zur Software- und Games-Industrie. Gemeinsam ist ihnen, dass kreative Ideen und geistiges Eigentum die Grundlage ihrer Wertschöpfung bilden. Gleichzeitig wird die Branche in besonderem Maße von Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen geprägt. Im Experteninterview mit Lisa Demetz vom OM7 Business Innovation Center Nürnberg wurde deutlich, dass gerade diese Struktur die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung und insbesondere der Künstlichen Intelligenz (KI) maßgeblich beeinflusst.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist geprägt von Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen. Das macht die Branche flexibel, anpassungsfähig und innovationsstark. Gleichzeitig verfügen viele Kreativschaffende nur über begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen. Neue Technologien müssen daher häufig eigenständig erschlossen und in die täglichen Arbeitsprozesse integriert werden.

Künstliche Intelligenz bietet hierfür vielfältige Potenziale. Für Soloselbstständige kann sie beispielsweise als Sparringspartnerin fungieren. KI unterstützt bei Recherchen, hilft bei der Strukturierung von Arbeitsabläufen, liefert Inspiration im kreativen Prozess und kann zeitaufwendige Routineaufgaben übernehmen. Dadurch entstehen Freiräume für strategische Tätigkeiten und die eigentliche kreative Arbeit. Zudem eröffnet KI neue Möglichkeiten für innovative Dienstleistungen, Geschäftsmodelle und zusätzliche Einnahmequellen.

Gleichzeitig bringt die technologische Entwicklung auch Herausforderungen mit sich. Das Bewusstsein für KI ist in der Branche in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, doch häufig fehlt es noch an vertieftem technischem, rechtlichem und ethischem Wissen. Viele Kreativschaffende fühlen sich von der Vielzahl verfügbarer KI-Lösungen überfordert. Hinzu kommt, dass Menschen ohne entsprechende kreative Fachausbildung mithilfe von KI zunehmend selbst gestalterische Aufgaben übernehmen können. Dadurch verändern sich Kundenanforderungen, Marktstrukturen und Wettbewerbsbedingungen.

Um auch künftig erfolgreich zu sein, benötigen Kreativschaffende daher neben ihrer fachlichen Expertise neue Kompetenzen. Gefragt sind technologische Grundkenntnisse, die Fähigkeit, KI-Tools sinnvoll in den eigenen Arbeitsalltag zu integrieren, sowie die Bereitschaft zu kontinuierlicher Weiterbildung und Cross-Skilling. Gleichzeitig gewinnen menschliche Stärken weiter an Bedeutung: Kreativität, Originalität, Empathie, Kommunikationsfähigkeit, Organisationstalent und strategisches Denken werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt. Auch Neugier, Resilienz und die Bereitschaft, neue Entwicklungen aktiv mitzugestalten, sind wichtige Zukunftskompetenzen.

Das Interview mit Lisa Demetz macht deutlich: KI wird auch die Kultur- und Kreativwirtschaft nachhaltig verändern. Für die vielen Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen der Branche bietet sie die Chance, effizienter zu arbeiten, neue Geschäftsfelder zu erschließen und kreative Prozesse zu erweitern. Entscheidend wird sein, technologische Möglichkeiten mit menschlicher Kreativität und professioneller Expertise zu verbinden. Genau darin liegt das Zukunftspotenzial der Kultur- und Kreativwirtschaft.

Schriftliches Interview mit Lisa Demetz vom 11.12.2025

Weitere Informationen und Kontakt:
OM7 -Business Innovation Center für Existenzgründungen und junge Unternehmen der Kreativwirtschaft
Lisa Demetz
Obermaierstraße 7
90408 Nürnberg
www.om7.de/
info@om7.de

Julia Wittmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut Betriebliche Bildung gGmbH im Zukunftszentrum Süd

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