KI muss erlebbar werden
Die Kunststoffindustrie befindet sich in einer herausfordernden Phase. Eine angespannte wirtschaftliche Lage, steigender Wettbewerbsdruck und der zunehmende Fachkräftemangel setzen viele Unternehmen unter Handlungsdruck. Gleichzeitig entstehen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) neue Möglichkeiten, Prozesse effizienter zu gestalten und die Zukunftsfähigkeit der Branche zu sichern.
Frank Stammer, Head Regulatory, Standardisation and Circular Economy beim Verband TecPart, sieht die Digitalisierung deshalb als einen der zentralen Trends der Branche. „Während einige Unternehmen noch am Anfang ihrer digitalen Entwicklung stehen und beispielsweise Verwaltungs- oder Buchhaltungsprozesse digitalisieren, setzen andere bereits KI-Lösungen zur optischen Qualitätskontrolle in der Produktion ein. Die Kunststoffindustrie zeigt damit ein sehr heterogenes Bild: Der digitale Reifegrad ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ausgeprägt.“
Die größten Potenziale von KI sieht Stammer aktuell vor allem in unterstützenden Funktionen. Insbesondere administrative Tätigkeiten sowie qualitätsbezogene Kontrollprozesse in der Produktion können von intelligenten Systemen profitieren. Dabei geht es weniger um den Ersatz von Beschäftigten als vielmehr um deren Entlastung. Digitale Anwendungen übernehmen Routineaufgaben und schaffen Freiräume für andere Tätigkeiten, die bislang häufig liegen bleiben oder zusätzlich bewältigt werden müssen.
Trotz der Chancen bestehen weiterhin Hürden bei der Einführung von KI. Vielen Unternehmen fehlt noch der Überblick über konkrete Einsatzmöglichkeiten und den tatsächlichen Nutzen der Technologie. Hinzu kommen Herausforderungen in den Bereichen IT-Sicherheit, Datenmanagement, Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen. Aus Sicht von Stammer braucht es deshalb vor allem mehr Aufklärung, Austausch und gemeinsame Projekte. Nur wenn Unternehmen KI praktisch erleben und ausprobieren können, entsteht das notwendige Vertrauen in die Technologie.
Für Beschäftigte werden in diesem Wandel neue Kompetenzen immer wichtiger. Neben Kenntnissen über KI-Anwendungen und digitale Technologien gewinnen IT-Sicherheit, Datenschutz sowie die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen an Bedeutung. Auch abstraktes Denken und die Fähigkeit, technologische Entwicklungen einzuordnen und kritisch zu bewerten, werden künftig stärker gefragt sein.
„KI muss erlebbar werden“ – diese Einschätzung aus der Praxis unterstreicht die Bedeutung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote. Mit Beratungen und praxisnahen Qualifizierungsformaten hilft das Zukunftszentrum Süd Unternehmen dabei, erste Erfahrungen zu sammeln und digitale Lösungen erfolgreich in den Arbeitsalltag zu integrieren. So können Beschäftigte und Betriebe die digitale Transformation aktiv mitgestalten und langfristig wettbewerbsfähig bleiben.
Schriftliches Interview mit Frank Stammer vom 20.01.2026
Weitere Informationen und Kontakt:
TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte e.V.
Frank Stammer
Auhofstr. 2
63741 Aschaffenburg
https://tecpart.de/
info@tecpart.de
Julia Wittmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsinstitut Betriebliche Bildung gGmbH im Zukunftszentrum Süd
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