Mössingen im März 2026
Die Firma Bott Hydraulik, ein mittelständisches schwäbisches Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitenden, zeigt, wie KI nicht nur Prozesse optimiert, sondern auch die Unternehmenskultur verändert. Mit einer konsequenten Strategie und der Einbindung der Mitarbeitenden lassen sich Kosten senken sowie Qualität und Geschwindigkeit steigern, ohne Kompromisse bei Sicherheit und Datenschutz.
Doch was sind die Erfolgsfaktoren, und welche Herausforderungen gilt es zu überwinden?
Motivation & Ziele: Warum setzt Bott auf KI?
Der Auslöser für den KI-Einsatz war der Wunsch, Routineaufgaben zu automatisieren und so die Qualifikationen der Mitarbeitenden besser zu nutzen. Gleichzeitig sollten Kosten gesenkt, die Prozessgeschwindigkeit erhöht und die Datenqualität verbessert werden. Besonders im Fokus stand die Beschleunigung der Datensuche und der Zugriff auf Projektdaten, ein klassisches Thema in vielen KMU.
Use-Cases & Priorisierung: Was bewährt sich?
Die ersten Projekte konzentrieren sich darauf, die Datenverfügbarkeit und -qualität zu verbessern und Prozesse zu automatisieren. Ein Beispiel ist die automatische Transkription von Werkstattbesprechungen. Dadurch werden Inhalte digital erfasst und können später gezielt durchsucht werden. Auch Wissen erfahrener Mitarbeitender wird systematisch gesichert, indem die Mitarbeitende interviewt werden, während eine KI die Gespräche automatisch transkribiert. Ein weiterer Anwendungsfall ist ein KI-Agent, der regelmäßig relevante Gesetzesänderungen recherchiert und so bei der Einhaltung von Normen wie DIN ISO EN 14001 oder 9001 unterstützt.
Weitere Use Cases sind bereits in Planung. Dazu gehört beispielsweise eine KI-gestützte Disposition in der Produktion. Zudem sollen administrative Prozesse automatisiert werden, beispielsweise indem eingehende Bestellungen automatisch im ERP-System angelegt oder Angebote automatisiert erstellt werden. Die Umsetzung erfolgt über eine Kombination aus KI-Modellen und Robotic Process Automation (RPA).
Vorgehen & Umsetzung: Schritt für Schritt zur KI-Integration
Bott setzt auf Pilotprojekte, um erste Erfahrungen zu sammeln und die Technologie schrittweise in den Arbeitsalltag zu integrieren. Die endgültige Inbetriebnahme erfolgt nach einer gründlichen Testphase, wobei die Zeit bis zur Produktivsetzung stark von der Komplexität des Use-Cases abhängt. Entscheidend ist auch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem richtigen Anbieter und Projektpartner auf der IT-Seite, den Bott mit OMM-Solutions gefunden hat.
Organisation, Kultur & Kompetenzen: Der Mensch im Mittelpunkt
Die größte Herausforderung ist der kulturelle Wandel. Um diesem zu begegnen, wurde ein Digitalisierungsbeauftragter eingestellt, der alle Projekte koordiniert und in dieser Rolle als Ansprechpartner für Fragen und Schulungen dient. Außerdem hat Bott ein festes Austauschformat eingeführt: Alle zwei Wochen treffen sich die Mitarbeitenden freitags für eine halbe Stunde, um Erfahrungen auszutauschen und Fragen rund um das Thema KI zu besprechen. Die offene Kommunikation und die regelmäßigen Schulungen helfen dabei, Ängste abzubauen und die Akzeptanz für KI zu erhöhen. So wird auch eine lernende Organisation in der Kultur des Unternehmens verankert.
Governance, Technik & Sicherheit: Keine Kompromisse
Datenschutz und IT-Sicherheit haben bei Bott oberste Priorität. Die KI-Systeme werden regelmäßig von Experten validiert, und es gibt klare KI-Richtlinien sowie eine strenge Auswahl der Tools. Ob Cloud oder On-Prem, die Entscheidung hängt von den individuellen Anforderungen ab.
Wirtschaftlichkeit & Wirkung: Was bringt KI wirklich?
Auch wenn bei Bott keine konkreten KPIs vor der KI-Nutzung eingeführt wurden, ist die Geschäftsleitung überzeugt: KI zahlt sich aus. Neben Kosteneinsparungen durch effizientere Prozesse und Zeitersparnis bei der Datensuche gibt es auch überraschende Effekte. So führt die Automatisierung routineorientierter Tätigkeiten zu einer höheren Motivation der Mitarbeitenden, die sich nun auf anspruchsvollere Aufgaben konzentrieren können.
Langfristig erwartet Bott, dass KI die Wettbewerbsfähigkeit weiter stärkt, etwa durch schnellere Anpassung an Marktveränderungen oder bessere Nutzung von Daten im Vertrieb.
Learnings: Was würde Bott Hydraulik heute anders machen?
„Wenig, aber ich würde noch stärker auf die kulturelle Begleitung achten“, so Steffen Zürger, Geschäftsführer des Unternehmens. Der technische Wandel sei oft einfacher zu bewältigen als der kulturelle.
Fazit: Drei Lehren für den KI-Einstieg
- Mitarbeitende einbinden, von Anfang an und kontinuierlich.
- Kulturwandel aktiv gestalten, Technologie allein reicht nicht.
- Pilotprojekte nutzen, um Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen bei allen Beteiligten aufzubauen.
Der wichtigste Rat von Bott an andere KMU:
„Vorsicht vor unrealistischen Erwartungen: es wird nicht alles von heute auf morgen einfacher und schon gar nicht kostenlos. Aber nicht zögern: Fangen Sie an, mit einem klaren Plan und dem Fokus auf Ihren Mitarbeitenden. Diese bleiben ihr wichtigstes Kapital! Nutzen Sie die Angebote des Zukunftszentrums Süd!“
Was bleibt?
Die Firma Bott beweist: KI ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, das, richtig eingesetzt, Prozesse optimiert und die Arbeitswelt menschlicher macht. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus Technologie, Kultur und konsequenter Strategie.
Rémi Denoix, Berater für Baden-Württemberg beim Zukunftszentrum Süd


